20. September 2026

AGEN 2026

AGEN 2026

 

Die diesjährige Nationalschau führte uns direkt in das Ursprungsgebiet der Rasse Blonde d’ Aquitaine. Sie fand in Agen im Département Lot-et-Garonne statt – einer Region, die passenderweise nach den beiden prägenden Flüssen Lot und Garonne benannt ist. Für das Département war es ein ganz besonderes Ereignis, denn es war das erste Mal seit 28 Jahren (zuletzt 1998), dass der renommierte „Concours National“ wieder auf das traditionsreiche Gelände des Marche aux Bestiaux nach Agen zurückkehrte. Für uns bot sich damit der perfekte Rahmen, um einige Tage lang Spitzengenetik im Ring zu erleben und Einblicke in regionale Zuchtbetriebe zu gewinnen.

Bevor am Freitag und Samstag der Richtwettbewerb in Agen im Mittelpunkt stand, bildete der Donnerstag das erste Highlight: die Besichtigung der Rassestation in Casteljaloux. Am Standort werden jährlich mehrere Durchgänge junger Bullen auf Eigenleistung geprüft und anschließend versteigert. Bis zu diesem Jahr fand hier zudem die Nachkommenprüfung ausgewählter Töchter von Besamungsbullen auf maternale Werte wie Milchleistung, Fruchtbarkeit und Kalbeverhalten statt. Am Besuchstag wurden die fertig geprüften Jungkühe schließlich versteigert. Der diesjährige Durchgang Rinder war an diesem Standort der letzte, die Töchterprüfung wird von nun an auf Zuchtbetriebe ausgelagert.

Am Freitag stand der gesamte Tag im Zeichen des Richtwettbewerbs. Insgesamt traten 447 Tiere aller Altersklassen, vom kleinen Kalb bis zum ausgewachsenen Altbullen, im Ring an. Die vierköpfige Jury stand vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Mit teils bis zu 13 Tieren waren die Klassen nicht nur stark besetzt, sondern beeindruckten vor allem durch ihre bemerkenswerte Homogenität und hohen Qualität. Am selben Abend folgte das Finale im Scheinwerferlicht, bei dem in stimmungsvoller Atmosphäre die „Sieger der Sieger“ gekürt wurden. Dabei unterstrich der Vererber HORFE einmal mehr seinen Ausnahmestatus in der Zucht, da beeindruckende sieben von acht Champions direkt oder indirekt von ihm abstammten. Den Titel als bestes Tier des gesamten Wettbewerbs sicherte sich die junge Kuh Verveine (Neutron / Horfe) mit ihrem fünf Monate alten Mutterkalb bei Fuß, gezüchtet und vorgestellt vom renommierten Zuchtbetrieb GAEC Planté-Moulet. Als schwerstes Tier des Wettbewerbs wurde der Bulle Palladium aus dem Betrieb GAEC Fontes mit 1.472 kg gewogen, schwerste Kuh wurde mit 1146 kg die Japan- Tochter Rafale. Am Samstag wurden die Nachzucht- und Betriebssammlungen gerichtet. Hierbei stach vor allem die herausragend zusammengestellte und präsentierte Kollektion des Betriebes Sazy hervor. Es bot sich ein nahezu perfektes Bild aus einem Bullen, sieben Kühen und den dazugehörigen Kälbern. Die enorme Rassequalität, Finesse und ausgeprägte Bemuskelung aller Einzeltiere dieser Gruppe brachten der Familie Sazy schließlich den prestigeträchtigen Titel „Prix d’Élevage“ ein. Der Samstagabend stand im Zeichen der von Blonde Génétique organisierten Elite-Auktion Vente Prestige. Das hochkarätige Kontingent umfasste vier weibliche und sechs männliche Tiere. Als Preisspitze ging die 15 Monate alte Färse Acousse hervor, die für 11.000 Euro an Züchter aus Belgien zugeschlagen wurde.

Am Sonntag stand die Besichtigung des Betriebes von Nicolas Daydé auf dem Programm, auf dem jährlich rund 110 Abkalbungen stattfinden. Neben der Blonde d’Aquitaine-Zucht hat sich der Betrieb auf den Anbau von Knoblauch spezialisiert. Die Herde präsentierte sich durchweg in bester Kondition und fiel besonders durch ihr ausgesprochen ruhiges Gemüt auf. Als Stammkuh, auf der nahezu die gesamte Zucht basiert, gilt die bekannte Kuh Déparée. Zudem wird auf dem Betrieb erfolgreich mit dem Hornlosgen gearbeitet. Zu sehen war unter anderem ein ansprechender Macao Pp-Sohn, der vor allem wegen seiner ausgeprägten Leichtkalbigkeit für die Belegung der Färsen eingesetzt wird. In Kombination mit den schweren, typvollen gehörnten Kühen der Herde überzeugten bereits einige vielversprechende genetisch hornlose Nachkommen dieses Vererbers.

Rund 25 Kilometer weiter besuchten wir den Betrieb der Familie Barthès mit 100 Kühen samt Nachzucht. Obwohl das Thermometer die 40-Grad-Marke überschritt, stellte uns die Familie ihre Tiere mit herausragender Leidenschaft vor. Auf den großflächigen Weiden bot sich ein beeindruckendes Bild aus sehr großrahmigen, typstarken Kühen und gut genährten Kälbern. Züchterisch setzt der Betrieb vorrangig auf den Einsatz von Herdenbullen, ergänzt durch gezielte Einzelbesamungen. Auf den Weiden konnten wir neben einem typstarken Sohn des bekannten Vererbers Notos und einem Fromant-Sohn auch einen jungen Zuchtbullen begutachten, der erst kürzlich über die Auktion in Casteljaloux erworben worden war.

Am Montag machten wir uns auf den Weg zum Betrieb der Familie Sazy. Die dortigen Betriebsdimensionen waren schlicht überwältigend: Auf dem Betrieb stehen weit über 2.000 Tiere, überwiegend in der Rindermast. Zudem ist ein schlagkräftiger Viehhandel angeschlossen, der jährlich unter anderem rund 20.000 Blonde-Absetzer nach Italien vermarktet. Mit beispielloser Professionalität werden hier zudem Schlachttiere und junge Kühe ausgemästet, deren Qualität ihresgleichen sucht. Doch das absolute Prunkstück und Passion der Familie bleibt die Herdbuchzucht mit rund 40 Zuchtkühen. Voller Stolz führten uns Hugo und Patrick in ihr liebevoll und wertschätzend so genanntes „Museum“ – ein Abteil, in dem hochkarätige Ausnahmekühe für die Nutzung im Embryotransfer stehen. Wir kamen aus dem Staunen kaum heraus, als man uns berichtete, dass im laufenden Jahr bereits 145 Embryonen erfolgreich in Trägertiere übertragen werden konnten. Auf einer Weide, die aufgrund der extremen Trockenheit mit nur 20 mm Niederschlag seit April eher einem Paddock glich, präsentierten sich uns rund 50 Jungrinder: fast durchweg aus dem ET-Programm stammend, brillierten sie mit enormer Qualität, Rassetyp und hochkarätigen Schaulinien im Pedigree.

Den Abschluss unserer Reise bildete am Dienstagvormittag der Besuch bei François und Aurélie Lorin-Bossuyt, auf deren Betrieb ebenfalls rund 100 Kühe gehalten werden. Hier stand einst der prägende Vererber Fromant im Deckeinsatz. Dieser verhalf dem Betrieb in den vergangenen Jahren zu einem bemerkenswerten züchterischen Meilenstein, da die beiden gleich sieben seiner Töchter auf der prestigeträchtigen Schau in Paris präsentieren konnten. Mit spürbarer Passion erläuterten sie uns die tief durchgezüchteten Kuhfamilien über mehrere Generationen hinweg. Neben erstklassigem Exterieur bewiesen einzelne Tiere dabei auch herausragende funktionale Eigenschaften, was uns unter anderem an gezielt vorgestellten Kühen mit exzellenten Zwischenkalbezeiten von unter 350 Tagen vor Augen geführt wurde.

Ein prägender Eindruck der gesamten Tour war die große Gastfreundschaft der Züchterfamilien, die uns auf allen besuchten Betrieben mit offenen Armen empfingen. Bei kühlen Getränken und selbstgemachten Spezialitäten bot sich abseits der Stall- und Weiderundgänge reichlich Gelegenheit für einen herzlichen und persönlichen Austausch. Reich an neuen Erkenntnissen und züchterischen Impulsen trat die Gruppe schließlich wieder den Weg gen Heimat an.

Max Rukes

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